Die revolutionäre Erkenntnis, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter veränderbar ist

Was ist Neuroplastizität?

Jahrhunderte lang galt es als wissenschaftlich anerkannt, dass unser Gehirn, sobald es einmal im Erwachsenenalter angekommen ist, nicht mehr formbar ist und dass weitgehend keine neuen neuronalen Verbindungen mehr in unserem Gehirn entstehen. Dies hielt sehr lange an, bis die Wissenschaft einen erstaunlichen Prozess namens Neuroplastizität entdeckten.

In den letzten Jahren wurden immer mehr über die sogenannte Neuroplastizität bekannt- die Fähigkeit des Gehirns sich den Umständen anzupassen und weiterzuentwickeln. Diese Fähigkeit führt auch dazu, dass unser Gehirn teilweise erstaunliche Selbstheilungskräfte entwickelt.

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns sich selbst zu ändern. Das Präfix „neuro“ bezieht sich auf die Neuronen in unserem Gehirn- die Nervenzellen in unserem Hirn und Nervensystem. Und das Suffix „Plastizität“ meint, dass es veränderbar ist. Wir sind also in der Lage durch Gedanken und Übung unsere Gehirnstruktur zu beeinflussen und zu formen. Das Gehirn wird nicht nur anders geformt, sondern kann durch die Aktivierung bestimmter Areale an Volumen zunehmen und größer werden.

Diese Erkenntnis ist ein der revolutionären Durchbruch der Wissenschaft gewesen und gibt Einblicke in die außerordentliche Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns.

Eine Studie zur Entdeckung der Neuroplastizität

Londoner Wissenschaftler fanden heraus, dass Taxifahrer in London einen unfassbaren Zuwachs von Neuronen im Hippocampus haben, da sie das komplexe Londoner Straßennetz auswendig kennen müssen. Das war einer der ersten Beweise dafür, dass auch das Gehirn von Erwachsenen sich noch zum Positiven ändern kann und es sogar jederzeit tut.

Die Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass das Training die Verbindungen zwischen bestehenden Nervenzellen stärken kann. Das ist nicht nur ermutigend für die Idee des lebenslangen Lernens, sondern auch für die Reha nach Hirnverletzungen, heißt es im Bericht des Instituts für Neurologie am UCL.

Um zu verstehen, wie Neuroplastizität funktioniert, brauchen wir zwei Einblicke in die Neurowissenschaft.

Erkenntnis 1

Alle Handlungen sind das Ergebnis von elektrischen Impulsen, die an unseren Nervenfasern entlang geschickt werden. Um bei der Metapher zu bleiben: Grundsätzlich sind unsere Gehirne Bündel von Leitungen- genannt Neuronen, die durch Synapsen miteinander verbunden sind.

Wann auch immer Sie etwas tun, sendet Ihr Gehirn ein Signal durch diese Ketten von Nervenfasern zu deinen Muskeln. Jedes Mal, wenn Sie etwas üben, aktiviert sich ein anderer hoch spezifischer Schaltkreis. Die einfachste Fähigkeit -wie eine Kniebeuge -ist ein Prozess, in den Hundertausende von Fasern und Synapsen involviert sind.

Erkenntnis 2

Je mehr wir einen Schaltkreis für eine bestimmte Fähigkeit benutzen, desto weniger sind wir uns bewusst, dass wir ihn benutzen. Wir sind evolutionär darauf ausgelegt, um Fähigkeiten automatisch auszuführen. Je mehr unsere Fähigkeiten sich in unserem Unterbewusstsein festigen, desto besser konnten wir in prähistorischen Zeiten überleben, um vor einem Säbelzahntiger zu flüchten, der sich im Gebüsch versteckte.

Das Ganze schafft aber auch eine überzeugende Illusion: Eine Fertigkeit, die einmal gewonnen wurde, fühlt sich ganz natürlich an, als ob es etwas ist, das wir immer besessen haben. So glauben wir häufig, dass es eine Art Talent sein muss. In Wahrheit haben wir das Ganze lang trainiert. Man denke nur an das Fahrradfahren.

Neuroplastizität- Ein bekannter Prozess

Für das Nervensystem ist das Üben ähnlich wie das Krafttraining für den Muskel. Wenn Sie Ihre Muskeln auf eine gewisse Art benutzt, indem Sie versuchen, Dinge zu heben, die du kaum heben kannst, werden diese Muskeln immer stärker.

Wenn Sie Ihre Neuronen auf die richtige Art und Weise feuern lässt, indem Sie wiederholt komplexe Dinge tun und Ihren Verstand und Ihren Körper an die Grenze bringen, dann werden die neuronalen Verbindungen hinter Ihren Fähigkeiten immer schneller und fließender reagieren.

Regionen, die wir häufiger benutzen erhalten mehr Blutfluss, da sie mehr Sauerstoff und Glukose benötigen. Es ist eine Art neuronaler Darwinismus- “ das Überleben des am häufigsten Benutzen“. Im Englischen sagt man „use or lose it“- benutze es oder verliere es.

Wie sich Neuroplastizität in unserem Leben äußert und wie Sie diese gezielt erhöhen und fordern können

Neuroplastizität macht unser Gehirn extrem belastbar und ist der Prozess, durch den lebenslanges Lernen in unserem Gehirn stattfindet.

Erfahrungsbedingte Neuroplastizität

Was auch immer wir wiederholt erfahren, denken und fühlen, erschafft langsam aber sicher eine neuronale Struktur.

Im Englischen sagt man “ Neurons that fire together wire together.“ Übersetzt: Neuronen, die zusammen feuern, verdrahten/verknüpfen sich auch. Tag für Tag bilden wir unser Gehirn durch intensives und wiederholtes Denken, Fühlen Handeln neue Strukturen. Andere nicht so aktive neuronale Pfade dagegen werden vernachlässigt. Diesen Prozess nennt man neuronalen Darwinismus – das Überleben der Beschäftigsten. Wenn wir diese neuronalen Bahnen nicht trainieren, verlieren sie an Stärke, so wie auch ein Muskel an Stärke verliert, wenn er nicht benutzt wird.

Beispielsweise stärkt auch Feldenkrais Bereiche des Gehirns und findet damit auch immer mehr Anhänger, die mit aktivem Leistungssport nichts am Hut haben.

Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe und Leiter der Abteilung für Neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen, Deutschland: „Wie die neueren Ergebnisse der Hirnforschung zeigen, werden Erfahrungen immer gleichzeitig auf der kognitiven, auf der emotionalen und auf der körperlichen Ebene in Form entsprechender Denk-, Gefühls- und körperlicher Reaktionsmuster verankert und aneinander gekoppelt. Ein Verfahren, das sich hierfür außerordentlich eignet und das sich bereits seit Jahrzehnten im praktischen Einsatz bewährt hat, ist die FELDENKRAIS METHODE®.“

Die Datenlage ist einfach zu revolutionär um sie zu ignorieren.

Probieren Sie es aus!