Ich nehme gern Bezug auf Expertinnen

 

Körperintelligenz. Kannst du dich noch an Dr. med. Marianne Koch erinnern?

Sie unterbrach ihr Medizinstudium für eine er­folgreiche Filmkarriere (Bundesfilmpreis), die sie auch nach Holly­wood führte.

1975 bis 1997 praktizierte sie als Internistin und war nebenbei jahrelang als Fernsehmoderatorin tätig. Heute arbeitet sie als Buchautorin und Medizinjour­nalistin. Sie hat eine wöchentliche Rundfunk- und Fernsehsendung („Das Gesundheitsgespräch“, Bayern2 Radio) und ist Präsidentin der Deutschen Schmerzliga.

Für mich war sie eine Realität im Fernsehalltag meiner Kindheit. Aber das hatte eher mit „Schweinderln“ zu tun.

Bei meinen Recherchen für diesen Blog lese ich viele Bücher und Artikel, um mich rückzuversichern. Ich stieß auf das Buch Körperintelligenz. Marianne Koch zeigt die vielen Möglichkeiten auf, die wir haben, um jugend­lich und geistig fit zu bleiben und gibt dazu eine Fülle praktischer Tipps.

Mit ihrer sehr persönlichen, lebendigen Erzählweise kann sie wie kaum jemand sonst vermitteln, was es bedeutet, »intelligent« zu altern, das heißt, mit Körper, Geist und Seele so klug umzugehen, dass wir Energie und Lebensqualität auch noch im hohen Alter be­sitzen.

Wann wird man älter? Mit 30 Jahren? Mit 50? Mit 70? Oder noch später? Kommt drauf an, sagen die Wissenschaftler. Nachgewiesen ist jedenfalls, dass die Art und Weise, wie wir leben, großen Einfluss auf Jugendlichkeit und Lebenslust in späteren Jahren hat.

 

Jugendlichkeit – Körperintelligenz?

 

Ein Mann — oder eine Frau — geht auf dich zu und an dir vor­bei. Wenn du unmittelbar danach gefragt würdest, wie alt diese Person wohl gewesen sein könnte, dann hast du meh­rere Anhaltspunkte, die dir bei der Beantwortung dieser Frage hel­fen.

Was, glaubst du, ist der wichtigste Eindruck, also der, der die  am meisten über Alter bzw. Jugendlichkeit verrät? Das Gesicht? — Stimmt nicht. Die Figur? — Spielt keine Rolle. Die Klei­dung? — Falsch. Die Haare? — Genauso falsch. Nein, es ist die Art und Weise, wie sich dieser Mensch bewegt hat.

Ob er mit rhythmischen, weichen Schritten ging, mit aufrechtem Körper und in kontrollierter Haltung — oder ob er schleppend, langsam, womöglich gebeugt an Ihnen vorbeitrottete, ohne Elastizität und Spannung in seiner Gestalt. Natürlich sagen auch die Augen, der Blick, und damit die Bereitschaft zur Kommunikation etwas über Jugendlichkeit aus.

Aber noch deut­licher verraten wir unser Alter durch unsere Bewegungen — eine Tat­sache, die uns viel zu wenig bewusst ist.

 

Jugendlichkeit ist Beweglichkeit

 

Beweglichkeit entsteht durch Koordination, also durch das per­fekte Zusammenwirken von Knochen, Gelenken, gut durchbluteten und trainierten Muskeln und den Nerven, die Befehle aus dem Ge­hirn blitzschnell an die Muskeln übertragen. Diese Koordination muss man üben.

Wenn eine Tänzerin einige Monate Ferien von ih­rem Beruf macht und nicht mehr trainiert, wird ihre Körperbeherr­schung sofort nachlassen. Ein Pianist, der ein paar Wochen lang keinen Ton anschlägt, verliert die Fähigkeit, schwie­rige Passagen fehlerfrei zu spielen.

Und wir? Wir liegen jahre- und jahrzehntelang buchstäblich auf der faulen Haut, im Fernsehsessel oder im Autositz. Und dann wun­dern wir uns, dass wir nicht mehr wie früher springen, klettern und rennen können, sondern dass unsere Schultern einrosten, die Hüft­gelenke keine weit ausgreifenden, geschmeidigen Schritte mehr zu­lassen und die Wirbelsäule ihre Biegsamkeit, aber auch ihre Stabilität verloren hat.

Jung sein bedeutet also beweglich sein — das gilt für den Körper, erst recht aber für den Geist. Wer, denken Sie, wirkt jugendlicher: Der 40-Jährige, der glaubt, er habe für sein Leben genug gelernt, und der seine einmal gefassten Meinungen bis ins Grab für unverrückbar hält, oder der 70-Jährige, der neugierig geblieben ist und dem es Spaß macht, sich mit den Ansichten seiner Enkel auseinander zu setzen?

Na also. Gerade das Gehirn braucht, um leistungsfähig zu bleiben, ständig ungewohnte Situationen und Aufgaben, für deren Lösung es sich neue Pfade durch das Dickicht der Milliarden von Nervenver­bindungen bahnen muss.

Selbstverständlich gibt es viele unterschiedliche Eigenschaften, körperliche und geistige, die zur Jugendlichkeit eines Menschen bei­tragen. Als die wichtigsten aber gelten:

 

  • Feste Knochen
  • Starke Muskeln
  • Geschmeidige Gelenke
  • Elastische Blutgefäße
  • Aktive Gehirnzellen

 

Einschub des Verfasserin: Interessanterweise erfüllt Knochen fürs Leben diese fünf Kategorien in einem Programm. Hier findest du eine Beispiels Lektion.

 

Feste Knochen

Unser Skelett macht gerade mal 14 Prozent unseres Körper­gewichts aus. Das bedeutet, dass die über 200 Knochen in Leichtbauweise konstruiert sind, fast wie bei einem Vogel: außen eine harte, kompakte Wand, innen ein Gewölbe aus dünnen Bälkchen, die aber so angeordnet sind, dass sie jeweils in einem idealen Winkel zur Last ste­hen, die sie tragen müssen.

Allerdings birgt diese ele­gante Konstruktion auch Risiken. Wenn die Bälk-chen spärlicher werden, wenn sich die Dichte der Außenwand vermindert, dann besteht die Gefahr, dass der gesamte Knochen leicht bricht. Und da die Knochenzellen ein Leben lang abgebaut, durch neue Zellen ersetzt und dann wieder mit Kalzium gehär­tet werden, genügt bereits ein kleiner Fehler im Gleichgewicht des Auf- und Abbaus, um das Skelett porös werden zu lassen:

Dann ist sie da, die Osteoporose, die gefürchtete Alterskrankheit, die Rücken krümmt und Beine bricht und heftige Schmerzen bereiten kann. Die­ser Krankheit gilt es — sozusagen auf Biegen und Brechen — vorzubeugen.

 

Wie macht man das?

 

Zunächst ist es wichtig, dass man bereits in jungen Jahren dafür sorgt, dass die Knochen eine optimale Festigkeit erreichen. Dafür braucht man genügend Kalzium in der Nahrung und genügend Be­wegung, die das Knochenwachstum anregt. Kinder, die statt Milch Cola trinken, Jugendliche, die ihre Zeit nur vor dem Computer statt auch auf dem Sportplatz verbringen, haben eigentlich keine Chance, ihr »Knochenkonto« ganz aufzufüllen.

Sie beginnen dann die Zeit, in der die Knochendichte ohnehin ab­nimmt — schon etwa ab dem 30. Lebensjahr —, mit viel zu niedrigen Werten. Wenn sie älter werden, ist ihr Risiko, an Osteoporose zu erkranken, mehrfach erhöht. Aber auch später, eigentlich in jeder Lebensphase, kann und soll man sein Skelett stärken. Am wichtigsten ist es für alle, die das 50. Lebensjahr überschritten haben, und hier wiederum vor allem für die Frauen, die dann durch die Verminderung ihrer Östrogenpro-duktion besonders gefährdet sind.

 

 

Neues aus der Wissenschaft

Durch die höhere Lebenserwartung wird die Osteoporose in Zukunft eine noch viel größere Gefährdung — eine allgemeine Volkskrankheit — sein, als sie es heute schon ist. 65 000 Menschen erleiden pro Jahr allein in Deutsch­land einen Bruch des Oberschenkels, ein Drittel davon wird invalide und be­darf fortan fremder Hilfe, bei ca. 20 Prozent bedeutet das den Anfang vom Ende. Noch höher ist die Zahl der Wirbelbrüche — man schätzt, dass 20 bis 25 Prozent aller über 50-Jährigen bereits Knochenbrüche der Wirbelsäule auf­weisen. Osteoporose ist nicht schicksalhaft, auch wenn die genetische Ver­anlagung eine gewisse Rolle spielt. Es ist eine Krankheit, die man durch einen entsprechenden Lebensstil in den meisten Fällen verhindern kann.

 

 

Körperintelligenz – Fünf Tipps für stabile Knochen

 

Kalziumreiche Ernährung (mindestens 1000 mg pro Tag): Viele Milchprodukte (z. B. fettarme Milch, Joghurt, Hartkäse); viel fri­sches grünes Gemüse, Obst und Getreideprodukte, Mineralwasser mit hohem Kalziumgehalt. Wenig Zucker, Softdrinks, Kaffee, Alkohol. Außerdem kann man bei ungenügender Kalziumzufuhr durch die Ernährung mit Hilfe von Kalziumtabletten einen Teil des Bedarfs ergänzen. Meist wird eine Kombination von Kalzium plus Vita­min D empfohlen, weil damit eine bessere Aufnahme des Kalzi­ums in den Körper garantiert ist.

 

Nicht rauchen! Rauchen vermindert die Produktion der Ge­schlechtshormone, bei Frauen Östrogen, bei Männern Testos­teron, und behindert damit den Aufbau von Knochenzellen. Zu­sätzlich wird die Durchblutung der Knochen gestört.

 

Regelmäßige Bewegung und Sport: Am besten sind Bewegungs­arten, die das Skelett belasten, also Laufen, Wandern, »Walking«. Man stellt sich vor, dass Beine und Wirbelsäule bei jedem Schritt einen kleinen Stoß erhalten und dadurch einen Anreiz, mehr Kno­chenmasse zu produzieren. Schwimmen ist zwar gut für die Mus­keln, aber weniger effektiv für die Knochenfestigkeit.

 

Die Bedeutung des Körpergewichts: Endlich eine gute Nachricht für nicht ganz so Schlanke: Dünn zu sein entspricht vielleicht dem gän­gigen Schönheitsideal, ist aber für die Knochen eher ungesund! Bei einem Body-Mass-Index unter 20 wird es bereits kritisch. Man kann sich das gut vorstellen: Ein zu geringes Gewicht bedeutet eine zu geringe Belastung des Skeletts. Dazu kommt noch die meist ungenügende Ernährung der Über­schlanken. Außerdem produziert Fettgewebe Östro­gen, das wiederum den Knochenaufbau anregt. Ich will dich natürlich nicht dazu verführen, sich ein beträchtliches Übergewicht anzufuttern. Das würde auf Dauer die Gelenke ruinieren und deine Beweglichkeit erst recht einschränken.

 

Vorsicht bei Medikamenten: Einige Medikamente verursachen Osteoporose. Dazu gehört vor allem das Kortison. Achte da­rauf, dass du knochenfestigende Mittel erhältst, falls du einmal über einige Zeit Kortison einnehmen müsst.

 

Ich hoffe, du fandest die Ausführungen zur Körperintelligenz bis hierhin spannend. Im nächsten Artikel werde ich einen weiteren Teil beschreiben. Nämlich, was Dr. Marianne Koch zur Behandlung von drohender und bereits eingetretener Osteoporose rät.

 

Schreibe mir doch deine Meinung hier in den Kommentar. Teilst du die Auffassung oder hast du andere Erfahrungen? Fragen? Ich antworte gern!

 

 

 

Last Updated on Januar 18, 2021 by Dr. Ruth Mischnick