Die Delfintherapie boomt. Doch ihre Wirkung ist umstritten – und wie die Delfine das Ganze finden, hat sie auch noch niemand gefragt.

Haben Tiere grundsätzlich therapeutische Qualitäten? Ja! Heute sind etwa Hunde als Besucher in Alten- und Pflegeheimen sehr beliebt. Sie aktivieren die Bewohner und verbreiten Freude. Analysen zeigen, dass Tiertherapie gut für den Blutdruck ist: Herz-Kreislauf-Patienten, die sich regelmäßig um einen Hund kümmern, brauchen weniger Tabletten. Doch insgesamt ist die Studienlage sehr durchwachsen. Es fehlt an methodisch sauberen Untersuchungen mit Kontrollgruppen.

Das gilt auch für das fast schon magisch anmutende Schwimmen mit Delfinen. Die „Dolphin Assisted Therapy“ boomt. Wahrscheinlich haben Sie ebenfalls schon einen Aufruf zum Spenden bekommen, damit ein krankes Kind von Flippers Freunden geheilt werden kann. Nach Aussage von Befürwortern basiert die Wirkung der meist zehntägigen Behandlung auf der persönlichen Begegnung mit den Tieren. Als jedoch der berühmte Delfintherapeut David E. Nathanson 2006 sein Zentrum in Florida wegen neuer Tierschutzbestimmungen schließen musste, ließ er einen lebensecht wirkenden Delfinroboter entwickeln. In einer Studie mit 35 teilweise schwerstbehinderten Kindern verglich er den therapeutischen Effekt von realen Delfinen mit dem seiner Attrappe – und fand keinen signifikanten Unterschied.

Könnten also Tiere nur ein Placebo sein? Allein das Erlebnis, ins Ausland zu fliegen, für zehn Tage mit Liebe und Aufmerksamkeit überschüttet zu werden und exotische Kreaturen hautnah zu erleben, hat ganz sicher eine Wirkung. Aber eben eine unspezifische. Auf der Liste der bereits »erfolgreich behandelten« Krankheiten stehen unter anderem Krebs, Epilepsie und Autismus. Doch laut der Organisation Whale and Dolphin Conservation gibt es bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Delfintherapie langfristig wirkt – auch wenn die Eltern der teilnehmenden Kinder das subjektiv mitunter anders empfinden.

Andere Programme mit besser belegter Erfolgsquote sind jedenfalls deutlich günstiger: Mit den 12 000 Euro, die zehn Tage Delfinbekanntschaft kosten, könnte man ein halbes Jahr lang mehrere Stunden täglich Physiotherapie finanzieren oder sehr lange in der Uckermark reiten gehen. Das ist allerdings nicht so spektakulär. Die Delfine hingegen würde es wohl freuen. Es hat sie zwar noch keiner gefragt, doch trotz ihres putzigen Image bleiben sie nichtdomestizierte Raubtiere, die in Gefangenschaft mitunter aggressiv werden. Es kam sogar schon vor, dass sie Schwimmer verletzten.

Aber statt immer nach der Empirie zu fragen, sollte ich vielleicht einfach in die Offensive gehen und selbst eine Tiertherapie erfinden. Eine Mischung aus Doktorfischen und Motivationstraining zur Bewegungssteigerung bei chronischen Couch-Potatoes: Schwimmen mit Piranhas im Amazonas. Garantiert wirksam!