Die besten Jahre unseres Lebens

 

Jung bleiben, während man älter wird, gilt seit jeher als Mensch­heitstraum. Philosophen, Mediziner, Alchimisten und Dichter haben sich damit beschäftigt und damit auch um die besten Jahre des Lebens, oder?

Die Idee vom magischen Jung­brunnen geisterte schon durchs Mittelalter. Auch Gemälde aus dem 16. Jahrhundert zeigen ältere Weiblein (mehr als 40 können die da­mals nicht gewesen sein), die in ein Bad steigen, aus dem sie auf der anderen Seite als knackige Jungfrauen wieder auftauchen.

Was die Männer auf den Bildern betrifft, so enthalten sie sich interessanter­weise dieser Prozedur. Wir treffen sie in dem Teil des Bildes wieder an, wo die Damen nach dem Bad erscheinen.

Dort haben sie offen­sichtlich auf die Verjüngten gewartet und scheinen jetzt sehr angetan und zu allen Schandtaten bereit zu sein.

Gerechterweise hatten jedoch auch die Herren der Schöpfung schon damals Schwierigkeiten mit dem Altern. Sonst hätte Faust dem Me­phisto nicht seine Seele versprochen, um wieder jung zu werden und das alte Feuer in seinen Adern (oder wo sonst auch immer) zu verspüren.

Dennoch ist die damalige Sehnsucht nach Jugendlichkeit nichts gegen die Obsession, mit der sich Menschen heutzutage quälen, kas­teien, unter Messer, Schleifmaschinen und Fettabsauger legen, um zu­mindest optisch mithalten zu können mit denen, die den 35. Ge­burtstag noch vor sich haben.

Findest du das nicht auch ein wenig lächerlich?

 

Was bringt uns dazu, automatisch unglücklich zu sein, wenn wir die 60 mal überschritten haben? Sicher weniger der Gedanke an die Endlichkeit unseres Lebens.

Sondern doch wohl eher das Gefühl, von der Gesellschaft, von den Menschen um uns herum, abgelehnt zu werden und nicht mehr dazuzugehören. Warum wohl sind so viele ältere Leute gehemmt, verschreckt, in der Defensive?

Trotzdem solltest du dich nicht entmutigen lassen. Die Welt fängt langsam an zu begreifen, dass da Generationen heranwachsen, de­nen die besten Jahre ihres Lebens womöglich erst in der Zeit zufal­len, in der sich früher bereits ein Nachlassen der Kräfte und des Le­bensmutes ankündigte.

Neue Freiheiten, ein neues körperliches Wohlbefinden, ein neues Selbstbewusstsein, neue Lieben, neue Inter­essen und eine neue Bedeutung für die Menschen ihrer Umgebung werden Kennzeichen der Generation X-plus sein.

Und du wirst zu dieser Generation gehören!

Kommen wir also zu dem Säulen der Jugendlichkeit zurück. Im letzten Blogartikel ging es um die Knochen. Hier stellt Dr. Marianne Koch die anderen vier Säulen vor.

 

Geschmeidige Gelenke

 

Ob Kugelgelenk (Hüfte, Schulter), ob Scharniergelenk (zum Beispiel das Knie) oder eines der vielen kleinen Gelenke der Hände und der Wirbelsäule — Gelenke sind Kunstwerke der Natur. Eine spiegelglatte Knorpelschicht überzieht die Knochenen­den, die in jedem Gelenk millimetergenau aufeinander passen. Feine Häute produzieren eine Flüssigkeit, die die Geschmeidigkeit erhöht und Belastungen abfedert.

Die Gelenkflächen gleiten deshalb bei je­der Bewegung weich und reibungsfrei aneinander, jahre- und jahr­zehntelang. Halt und Festigkeit bekommt das Gelenk durch die Kap­sel — eine straffe Umhüllung aus Bindegewebe — und durch die Mus­keln und Bänder. Gerade bei außerordentlichen Belastungen, etwa bei sportlichen Höchstleistungen, kommt es vor allem auf die Kraft des Bänder- und Muskelapparates an.

Leider sind diese Wunderwerke anfällig. Und wie. Schon das bloße Altern bringt es mit sich, dass die Knorpel spröder werden und die Bänder an Elastizität verlieren. Kleine oder größere Unfälle, bei denen der Halteapparat des Gelenks überdehnt wird oder einreißt, Übergewicht oder falsche Belastungen führen dazu, dass die Kapsel sich mit der Zeit lockert und die Gelenkflächen nicht mehr ideal auf­einander stehen. Die Fehlstellung wiederum führt zu einer Abnüt­zung der Knorpelschicht.

Da sich der Knorpel nach Verletzungen nicht erneuern kann, entstehen unregelmäßige Strukturen an den vorher so glatten Flächen. Bei jeder Bewegung »knirscht« es jetzt im Gelenk und die Folge sind Entzündungen, Verformungen und Schmerzen: Fortan plagt Arthrose den Menschen und mit seiner Be­weglichkeit ist es vorbei. Kann man das verhindern?

Vielleicht nicht mit absoluter Sicherheit. Aber es gibt einige Grundregeln, die man beherzigen sollte.

 

Starke Muskeln

 

 

Wir besitzen insgesamt über 600 Muskeln, die wir willkürlich bewegen können. Sie schmiegen sich wie ein schützender Mantel um unseren Körper und sind unsere Organe für Kraft und Geschicklichkeit.

Leider haben Muskelzellen die fatale Eigenschaft dahinzuschmelzen, das heißt, in ihrer Zahl und ihrer Stärke abzunehmen, sobald man sie nicht benützt.

Jeder, der mal einige Wochen im Bett verbringen musste, hat erlebt, dass der Umfang seiner Waden und Oberschenkel um mehrere Zentimeter ab­nahm und dass Arme und Beine kraftlos wurden.

Erst nach Mona­ten mit normaler Bewegung und Sport stellt sich die alte Leistungs­fähigkeit wieder ein.

 

Neues aus der Wissenschaft

Regelmäßiges Muskeltraining ist die Voraussetzung für Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Ausdauer und Geschicklichkeit.

Körperliche Aktivität ist aber auch der stärkste Reiz für die Erhaltung von Nervenzellen und damit für die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Bewegung steigert die Durchblutung, ebenso die Produktion der Gehirn-Botenstoffe und die Fähigkeit der Zellen, miteinander zu kommunizieren — die wichtigste Voraussetzung für ein funk­tionierendes Gedächtnis.

Selbstverständlich bessert sich durch regelmäßiges körperliches Training auch die Leistung des Herzmuskels und der Blutgefäße, die ihn versorgen.

Der Stoffwechsel, also Cholesterin und Zuckerverwertung, werden günstig beeinflusst. Und schließlich kann man mit regelmäßigem Muskeltraining auch Depressionen vorbeugen.

Wenn du heute 30 Jahre alt sind, musst du da­mit rechnen, im Alter von 70 Jahren nur noch etwa die Hälfte Ihrer Muskelzellen zu besitzen — es sei denn, fängst rechtzeitig an, deine Muskeln zu trainieren.

Denn darin sind sich alle Forscher einig: Die Abnahme der Muskel­masse ist einer der wesentlichsten Gründe für das Altern eines Menschen.

Nun bekomme bloß keinen Schreck. Niemand verlangt von dir, dass du ab morgen einen großen Teil deiner Zeit im Fitness­studio verbringen. Im Gegenteil: Der Körper ist bereits bei einem sehr gemäßigten Trainingsprogramm in der Lage, seine Muskelzellen an­zuregen.

 

Elastische Blutgefäße

 

Wenn die Altersforscher von Blutgefäßen sprechen, dann meinen sie die Arterien, also die Adern, die das sauerstoff-und nährstoffreiche Blut vom Herz aus in alle, auch in die entferntesten Regionen des Körpers leiten.

Die Venen, die das ver­brauchte Blut zum Herzen zurückbringen, sind zwar auch wichtig und müssen gepflegt werden, damit sich möglichst keine Krampfadern, Ge­schwüre oder Thrombosen bilden, aber über Jugendlichkeit entschei­den die Arterien.

Diese außerordentlich elastischen Schläuche bestehen aus drei Schich­ten. Außen dient eine feste Zell-schicht als Begrenzung und Schutz, dann folgt eine Mittelschicht aus kleinen Muskeln und elastischen Fa­sern, und im Inneren kleidet eine Zellschicht, das Endothel, das Gefäß aus.

Diese Zenschicht ist in ge­sundem Zustand spiegelglatt und bietet dadurch dem vorbeiströ-menden Blut so gut wie keinen Widerstand.

Warum ist ein normaler Blutdruck so wichtig?

Der Blutdruck im Inneren der Arterien ist von mehreren Faktoren ab­hängig. Zunächst davon, ob sich der Herzmuskel gerade zusammenzieht und eine Welle von Blut durch die Adern presst oder ob er sich entspannt und mit neuem Blut aus der Lunge füllt. (Deswegen misst man auch immer zweierlei Blutdruckwerte, den höheren, systolischen, und den niedrigeren, diastolischen.)

Er ist aber auch abhängig von der Elastizität der Gefäße, also von ihrer Weichheit und Dehnbarkeit.

Wenn die Wände eines Blutgefäßes den Schwall des immer wieder heranflutenden Blutes nicht mehr richtig abfedern können, dann ist der Druck höher.

Und genau hier geraten wir in einen Teufelskreis: Hö­here Drucke schädigen nämlich die zarte Innenhaut der Arterien.

Es bilden sich winzige Risse, in die sich Blutplättchen und Cholesterin einlagern können. Aus den Veränderungen werden Strömungshin­dernisse, Wirbel, die die Schäden an den Gefäßwänden verstärken.

Dann entstehen cholesterin- und kalkhaltige Ablagerungen, so ge­nannte Plaques — und damit beginnt die Arteriosklerose, die allge­meine Verhärtung und Alterung der Arterien, die eine schlechtere Durchblutung und damit ebenfalls die Alterung aller Organe zur Folge hat.

Die empfindlichsten, Herzmuskel und Gehirn, tragen da­bei das höchste Risiko. So erklärt es sich, dass Herzinfarkt und Schlag­anfall immer noch Todesursache Nummer eins bei uns sind.

 

Das Gehirn-Muskel-Programm

 

Für eine perfekte Koordination deiner Bewegungen brauchst du auch das Gehirn. Es steuert über Nervenimpulse die Muskeln, die wiederum Knochen und Gelenke in Schwung setzen

Bei kleinen Kindern, die gerade Laufen lernen, klappt das noch nicht richtig. Ihr Gedanke »loslau­fen« wird noch nicht sicher in elektrische Signale und damit in die Aktivierung der über hundert Muskeln von Hüfte, Beinen und Fü­ßen umgesetzt, die zum Ge­hen nötig sind.

Und so wa­ckeln sie, linkes Beinchen, rechtes Beinchen, dahin und liegen — rums — am Bo­den.

Später geht alles wie von selbst, weil Gehirn und Muskulatur gelernt haben, automatisch miteinander zu kommunizieren.

Und wieder später, dann näm­lich, wenn man mit den Jahren faul und bequem geworden ist, merkt man plötzlich, dass viele Bewegungsformen aus dem Programm für das Zusammenspiel von Gehirn und Muskeln gestrichen wurden —aus Mangel an Bedarf.

Sie brauchen gar nicht den Ehrgeiz zu entwickeln, eine Koordi­nation wie zum Beispiel ein Spitzenfußballer zu haben, der die Flug­bahn des Balles sieht, reflexartig berechnet, wo er ankommen wird, dorthin sprintet und dann auch noch seine Fußmuskeln automatisch so bewegt, dass er den Ball im Flug treffen und ihn ins Tor befördern kann — und das alles innerhalb von Sekunden.

Du brauchst dich nur bei verschiedenen Bewegungsabläufen selbst zu beobachten und deine Fehler zu korrigieren. Nach einer gewissen Zeit wird das Programm, das dir weiche, elegante Bewegungen erlaubt, für deinen Körper wieder selbstverständlich sein.

Anmerkung der Verfasserin: Ich finde die Zusammenstellung klug. An einigen Stellen habe ich eine etwas abgesonderte Meinung. So etwa, dass durch Selbstbeobachtung eine Korrektur nicht unbedingt möglich ist. Nach meiner Meinung bedarf es da Übung. Wie z.B. mit der Feldenkrais-Methode

 

Wie ist es dir ergangen? Stimmst du den Gedanken zu? Hast du Fragen?  Schreibe sie in den Kommentar. Ich antworte dir gern.

 

 

Last Updated on Januar 25, 2021 by Dr. Ruth Mischnick