Bist du je an eine Grenze gestoßen? An eine äußere oder innere?

 

Hattest du Fragen, wie zum Beispiel: „Wozu ist das, was ich tue, gut?“, „Wer bin ich?“, „Was vereint uns?“  Die stellen nämlich eine gute Ausgangsbasis für die Arbeit mit Lebenswerten dar. Weitere Einsatzmöglichkeiten Wertecoachings bestehen beispielsweise darin, die eigenen Werte und die des Lebenspartners zu vergleichen. Sie sozusagen nebeneinander zu stellen, um die individuellen Eigenarten zu reflektieren.

 

Zielsetzungen

Das wesentliche Ziel besteht darin, Klarheit über die eigenen Wertmaßstäbe zu erlangen diese mit Einstellungen und Verhalten zu koppeln und darüber hinaus in der Wertekommunikation zu anderen Menschen besser Position beziehen zu können. Die gewonnene Klarheit verschafft Orientierung oder gutes Gefühl der Stimmigkeit zwischen Wertmaßstäben und Verhalten.

Das Wertecoaching dient als Lebens Wegbegleiter. Es nutzt sich in seiner Wirkung durch mehrfachen Gebrauch nicht ab. Im Gegenteil, es hilft, die persönlichen Lebensetappen besser gestalten zu können.

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Reinhard ist 32 Jahre alt. Er lebt ungebunden in einer Großstadt. Seit fünf Jahren arbeitet er im Produktmanagement eines Konsumgüterherstellers. Vor zwei Jahren hat er sich intern auf eine vakante Leistungsposition im Marketing beworben, wurde jedoch nicht berücksichtigt, da er sich für eine solche Aufgabe noch Erfahrung in der Führung internationaler Teams aneignen müsse. So die Begründung. Dies hat er seither in verschiedenen Projektgruppen getan und nahm vor einigen Wochen die Gelegenheit wahr, sich auf eine Position in einer neu geschaffenen Business Unit zu bewerben. Er fühlte sich für die Aufgaben gut gerüstet und wähnte sich sicher, bei diesem zweiten Versuch erfolgreich zu sein.

Als auch diese Bewerbung scheitert und er wahrnimmt, dass die Stelle mit jemandem „Inkompetenten“ besetzt wird, nutzt er ein Coaching, um die Situation zu beleuchten. Seinem Unternehmen gegenüber fühlt er sich nach wie vor loyal, jedoch zweifelt er zunehmend daran, für weiterführende Aufgaben in Betracht gezogen zu werden. Im Rahmen des Coachings erzählt Reinhard, dass alle Mitglieder seiner Familie eine gute Ausbildung hätten und in seinem Leben jeweiligen Arbeitsbereichen eine gehobene Funktion bekleiden würden. Er selbst hinke aber nun hinterher.

Ich stellte die Frage: Wozu ist es gut, dass er sich anstrengt, um nicht mehr hinterher zu hinken?

Reinhard antwortete, dass er dann seinem älteren Bruder beweisen könnte, dass er auch etwas auf dem Kasten hat. Er schilderte einige Situationen, in denen er sich klein fühlte, jüngst wieder konfrontiert mit Sticheleien und Verletzungen, dass das was er in dieser Konserven Fabrik machen würde, doch bloß dazu diene, irgendein geschmackloses Zeug unter die Leute zu bringen. Solche Äußerungen wären zum einen inhaltlich falsch, wichtiger aber sei, dass er sich als Person angegriffen fühle. Und die Absagen bei den beiden Bewerbungen, gingen auch in diese Richtung. Um zu sehen was da genau angegriffen wird, stimmte Reinhard einer Werteanalyse zu.

Mit den von mir vorbereiteten Lebenswerte Karten arbeitete Reinhard auf der Basis der Frage: Wenn du jetzt ausschließlich an dein berufliche Tätigkeit und Entwicklung im Beruf denkst und sich hinein spürst, was deine Wesen dabei zutiefst entspricht, welche Beschreibungen sind dann für dich zutreffend?

Reinhard wählte aus dem Kartensatz knapp 50 Werte-Begriffe aus. Als nächsten Schritt hatte er nun die Aufgabe, diejenigen Werte herauszufinden die im Zusammenhang mit dem von ihm geschilderten angegriffen, angezweifelt, klein gemacht zu werden als belastend und als derzeit nicht ausreichend verwirklichungsfähig ansah. Es waren dies Fleiß, Stärke, Improvisation, Selbstsicherheit, Rationalität, Gelassenheit, Antrieb, Aktivität, Großzügigkeit, Individualität, Unerschrockenheit, Zielstrebigkeit, Unvollkommenheit, wie Wissbegierigkeit, Spontanität, Zähigkeit, Strebsamkeit.

Um herauszufinden, ob die Werte von Dritten projiziert wurden oder ob sie sich aus eigenen biografischen Begebenheiten heraus erinnern lassen, wird mit jedem Begriff ein Zeitstrahl in die Vergangenheit verbunden, und Reinhard reflektierte Wahrnehmung der Ereignisse, die er mit den jeweiligen Werten in Berührung brachte. Den Wert Zielstrebigkeit verband er um Beispiel mit einem Satz aus dem Elternhaus als er acht Jahre war: Nur mit einem Ziel erreichst du viel!. Den Wert unvorhergesehener Benommenheit verband er mit einem Auslandsjahr in London, als er die gymnasiale Oberstufe hinter sich ließ und ein Schuljahr in England verbrachte, um eine andere Kultur kennen zu lernen und sein Umfeld, vor allem den Bruder, in seinen Entschluss, gerade nach London zu gehen, für „den Kleinen“ doch ein gewisses Wiederkehrrisiko sahen.

Durch diese Reflexionen konnte Reinhard gut herausfiltern, welche der Werte seine ureigene Lebensgeschichte zeichneten und welche Werte von ihm übernommen worden waren. Der Wertekanon Zielstrebigkeit, Strebsamkeit, Zähigkeit und Stärke wurde dabei von Reinhard als durch Dritte übertragen und in seiner Wuchtigkeit heute eher als hinderlich und belastend empfunden. Währenddessen er die Werte Großzügigkeit und Unvoreingenommenheit, Gelassenheit und Selbstsicherheit, die sich durch selbst verantwortete Lebensetappen entwickelt hatten, zwar eher als förderlich, aber durch die aktuelle berufliche Situation vermeintlich ins Hintertreffen geraten sah.

Mit der Frage: Wenn du einen der derzeit nicht verwirklichten Werte mehr Augenmerk schenken würdest, was würde dann zu deiner Zufriedenheit einen guten Beitrag leisten können? Erkannte Reinhard, dass es ihm zwar wichtig ist beruflich nicht stillzustehen, dass es aber für in wesentlich war, sich beweglich zu halten und damit wieder die positive Lebenseinstellung anzunehmen, die er in vielen seiner Selbst Werte entdeckte. Das Wertecoaching endet mit konkreten Plänen und Maßnahmen, wie er diese erforderlichen Werte wieder aktivieren konnte und mit einem fröhlichen und zufriedenen Blick auf seinem Gesicht.

 

Werte in unserem gesellschaftlichen Umfeld

Ist es nicht komisch, dass Menschen bei der Frage nach ihren Werten oft stereotype Aussagen machen. Offenheit Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Loyalität, Leistung, Mut, Initiative und Flexibilität. Fraglos sind dies Werte, die in Unternehmen auch der Bewertung unterzogen werden und – die bei anderen Menschen wahrgenommen auch – zur Wertschätzung führen. Oft haben Manager den Wunsch hatte, in Vorbereitung auf einen Aufstiegsassessment ihre wichtigsten Eigenschaften auf drei reduzieren zu lernen, weil auch das Wertesystem des Unternehmens aus drei Begriffen bestünde und es der Vorstand gerne knackig hätte.

Beim Wertecoaching gehe ich anders vor. Ganz im Sinne Viktor Frankl, dem Begründer der humanistischen, sinnbasierten Psychotherapie (Logotherapie), dessen Credo es ist: Der Mensch ist ein Sinn suchendes Wesen. Meine Haltung ist durch diesen Satz sehr geprägt.

Man muss sich doch fragen, ob Menschen den Sinn in ihrem Arbeitsleben finden können, wenn sie ihre Werte bewusst oder unbewusst derart erheblich einschränken. Ich meine, nein, und die Anliegen meiner Klienten deuten an, dass Zweifel an der Reduzierung von Werten berechtigt sind.

Das Wertecoaching bezieht sich auf über 500 Werte-Begriffe des deutschen Sprachraums, die im Duden oder Lexikon nachgeschlagen werden können. Der Klient kann sich mithilfe der Werte positiv, kritisch oder konfrontativ positionieren und zu mehr Klarheit gelangen.

 

Die Auswahl

Die klassische Form der Anwendung besteht darin, dass der Nutzer zuerst aus einer Gesamtübersicht der Werte-Begriffe diejenigen auswählt, von denen er meint, dass sie für den betrachtenden Kontext oder die relevante Lebensphase bedeutend sind. In diesem Abschnitt gilt: je eindeutiger das Thema, das Anliegen, die Frage sprachlich gefasst ist, desto pointierter werden die dazu relevanten Werte ausgesucht. Klienten sollten daher das Tool erst dann zur selbstständigen Nutzung einsetzen, wenn die Fragestellung die nötige Dichte aufweist.

Eine biografische Anwendung ist alternativ auch möglich. Hier werden nach dem Schreiben einer Biografie oder einer Lebensabschnittsbetrachtung die Karten diesen verschiedenen Lebensphasen und -ereignissen zugeordnet. Es entsteht so ein guter Blick dafür, welche Veränderungsprozesse zu einer Entwicklung des Wertesystems geführt haben. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Geburt des ersten Kindes; bei vielen meiner männlichen Klienten haben ab diesem Zeitpunkt Werte wie Verlässlichkeit, Konzentration, Gewissenhaftigkeit und Toleranz eine besondere Bedeutung im Leben eingenommen.

 

Das Sortieren

Variante eins: nach diesem ersten Schritt kann der Anwender die ausgewählten Werte-Begriffe dahingehend sortieren,

  • ob der jeweilige Wert verwirklicht werden kann (konnte) oder
  • ob dies nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist (war).

Eine solche Sortierung führt zu einer Bewertung des Grades an Werte Verwirklichung.

 

Variante zwei: ebenso kann der Anwender hier reflektieren,

  • ob der Werte Maßstab aus der Eigenentwicklung stammt oder
  • ob es ein projiziert Wert ist und beispielsweise aus dem Elternhaus stammen.

Diese Sortierung eignet sich bei Anliegen aus dem Bereich Selbst- und Fremdbestimmung.

 

Variante drei: ferner kann der Klient seine Werte zu drei von Viktor Frankl eingeführten Klassen zuordnen,

in die schöpferischen Werte des Homo Fabers bei denen es darum geht, die größeren Themen Arbeit, Struktur und Wissen zu beleuchten,

in die Erlebniswerte des Homo Amans, in denen die Themen Natur, Kultur, und Zusammensein beherrschend sind und

in die Einstellungswerte des Homo Spiritual, in denen besonders die Themen Transzendenz, Weisheit der Umgang mit leidvollen Erfahrungen berührt werden.  

Diese Betrachtung ist dienlich zur Reflexion der Lebensphasen, insbesondere bei älteren Menschen oder bei der Frage nach der Ausgewogenheit von Werten. Im oben ausgeführten Fallbeispiel hat Reinhard während des Coachings den bisherigen Stellenwert schöpferischer Werte (wie Zielstrebigkeit, Aktivität) mehr zugunsten einer Pflege einiger seiner Erlebniswerte (zum Beispiel Gelassenheit, Großzügigkeit) verändert.

 

Entscheiden

Nun liegt das eigene Wertesystem physisch präsent vor dem Anwender auf dem Tisch. Es fällt nun leichter zu entscheiden, welche Werte es zu kultivieren gilt und zu größerer Zufriedenheit, Glück und Sinnerfüllung zu gelangen; welche Werte andere kannibalisieren (zum Beispiel Leistungen und Ruhe); welche Vernachlässigung von Werten akzeptiert oder befristet werden, gegebenenfalls, um das Neue einer Situationen erkunden und integrieren zu können; welche im Konflikt mit anderen Menschen stehen und zum Beispiel zu klärenden, im wahrsten Sinne des Wortes wertschätzenden Gesprächen einladen; usw.

Diesen Prozess Schritt kann man auch mit dem Gesprächspartner (Coach) durchführen, denn der Arbeit mit Werten und Sinnsystem erfahren ist. Unter seiner fragenden Begleitung kann der Klient erkunden, in welcher Weise zum Beispiel die Verwirklichung eigener Werte zu Widerständen im persönlichen Umfeld führen kann. Mit geeigneten Interventionen kann der Klient auch lernen, welche Werte bei anderen Menschen über deren Verhaltensmuster wahrzunehmen, sie zu hinterfragen. Oder einen Vergleich der Selbst- und Fremdwerte vorzunehmen. Qualifizierte Coaches bringen eine solche Wahrnehmung und Fragekompetenz mit. Es geht immer um ein fundiertes Verständnis über das Wechselverhältnis von Werte Verwirklichung und Sinnfindung.

 

Zeitpunkte definieren

Mit dem dritten Schritt hat der Klient entschieden, in welcher Weise er Initiativen zur Entwicklung oder Revitalisierung von Werten vornehmen möchte. Dies wird nun im vierten Schritt in Verhalten oder Handlungen umgesetzt. Reinhard aus dem Beispiel hat sich im Coaching die Pflege seiner Grundwerte Großzügigkeit, Unvoreingenommenheit, Gelassenheit und Selbstsicherheit in seinem beruflichen Umfeld genommen.

Dies geschah unter anderem mit diesen Maßnahmen:

Gratulation des Kollegen, der die Funktion über Fragen bekam, auf die wer sich beworben hatte, Zusammenstellung aller erworbenen Kompetenzen und Initiation eines 360° Feedbacks dazu, Entwicklung eines innovativen Produkt wie Lounge Konzept und im Rahmen ihrer bisherigen Tätigkeit, Mitwirkung in einem Unternehmensprojekt zur Corporate Social Responsibility.

Reinhard erlebte in dieser Umsetzung, dass seine Leistungswerte nicht unwichtiger wurden, denn auch in den von ihm in Gang gesetzten Maßnahmen war er mit Engagement dabei. Der Unterschied lag für ihn in deutlichen Empfindungen von mehr Freude, Zufriedenheit und Zuversicht.

 

Gute Unterstützung bei der Umsetzung sind: regelmäßige Tagebuchaufzeichnungen, die Kommunikation zur Revitalisierung gewährten Werte im privaten Umfeld und die Wahrnehmung dieser Werte bei anderen Menschen.

 

Zeit ist wichtig!

Die wesentlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit mit Lebens Werten ist Zeit. Der Anwender kommt sich und seinen Lebensfundament umso näher, je weniger die Arbeit unter Zeitdruck verläuft.