Tragen wir zur Verbesserung bei?

Ist es an der Zeit, die Behandlung von Traumata zu überdenken?

Die Heilung eines Traumas bzw. einer zurückliegenden seelischen Verletzung ist kein primär kognitiver, sondern vor allem auch ein körperlicher Prozess.

Eine Methode kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie darauf beruht, eine Verbindung zum Körper herzustellen- ohne dies ist sie nur von einem begrenzten Erfolg. Das haben Therapeuten, insbesondere in den letzten fünf Jahren zur Kenntnis genommen und auch in die Umsetzung gebracht. Die Traumaforschung war da hilfreich.

In der heutigen Traumaforschung gibt es die klare Erkenntnis: Ein Trauma oder eine seelische Verletzung ist nicht im Ereignis gespeichert, sondern im Körper, im Nervensystem.

Das verletzende Ereignis liegt in der Vergangenheit, doch der Körper speichert jede Erfahrung.
Deshalb ist es nicht notwendig, zur Heilung eines Traumas die vergangenen Ereignisse und Geschichten wieder aufzurollen!

Während einer sehr belastenden Situation oder bei einem traumatischen Ereignis wird im Körper zur Bewältigung dieser Situation sehr viel Energie freigesetzt.

Wird diese Energie aus der Mobilisierung des Körpers, die mit einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen und einer starken Erregung des Sympathikus einhergeht, nicht abgebaut und gelöst, hat dies Folgen für Sypmtomentwicklung. Es kann zu psychischen und körperlichen Krankheitssymptomen führen.

Wie gut es uns gelingt, die entstandenen Symptome abzubauen, hängt von unseren Vorbelastungen und von unseren inneren und äußeren Ressourcen ab. Siehe dazu den Artikel zu Resilienz und Trauma. Wir können uns schneller oder langsamer durch ein Trauma hindurchbewegen, können jedoch auch mit Symptomen behaftet bleiben. Traumatische Ereignisse gehören zum Leben, doch in jedem Menschen ist auch die Fähigkeit zur Lösung und Heilung angelegt.

Um Syptome zu lösen, ist es in jedem Fall hilfreich, wenn wir wir den intensiven Kontakt zu unserem Körper mit seinen Körperempfindungen zurückgewinnen.

 

Die Körperwahrnehmung fördern ohne neue Ängste hervorzurufen

Über die Körperwahrnehmung, über das Spüren und Fühlen bekommt der Körper Raum für eine Regulation und verändertes wahrnehmen, was sich heilsam auf körperliche und psychische Symptome auswirken kann.

Über die Körperwahrnehmung können wir über bestimmte neurologische Wege Einfluss auf unser vegetatives Nervensystem und somit auf die spannungsabbauenden  Regulationsmechanismen im Stammhirn (Reptiliengehirn) nehmen.

Wegweisend in der heutigen Traumaforschung sind moderne neurobiologische Forschungen. Die funktionelle Magnetresonanztomografie (MRT) beweist, dass unser Gehirn und damit unser Denken und Fühlen eine bestimmte Plastizität besitzt, eine ständige Veränderungsfähigkeit.

Reagieren wir auf heftige schmerzhafte Ereignisse statt wie bisher mit Selbst- oder Fremdverletzung nun bewusst gewählt mit Aufmerksamkeit und Mitgefühl, hat dies konkrete Auswirkungen im unserem Gehirn. Es kommt zu neuen Verknüpfungen, spezifische Gehirnareale verändern sich.

Es entsteht oder erweitert sich sozusagen ein Weg des Mitgefühls in unserem Gehirn, den wir dank unserer Entscheidung immer wieder gehen können, der zum Habitus werden kann. Insbesondere das MIT-fühlen in Bezug auf uns selbst.

Einerseits hat unser Denken und Fühlen Auswirkungen auf die Struktur und Biochemie unseres Gehirns. Andererseits haben die strukturellen und biochemischen Veränderungen in unserem Gehirn wiederum Auswirkungen auf unser Denken und Fühlen und beeinflussen unser ganzes Erleben zum Positiven.

So kommt es zu tiefgreifenden Veränderungen auf allen drei Seinsebenen, in unserem Körper, in unserer Psyche und in unserem Geist.

 

In Bildern gesprochen

Wenn wir uns in einem Labyrinth verlaufen haben, brauchen wir zuerst einen klaren Weg heraus. Erklärungen darüber, wie wir in das Labyrinth gekommen sind und warum wir uns darin verirrt haben, helfen uns nicht aus dem Labyrint heraus.

Die Frage nach dem Warum eines ausgelösten Schmerzes führt sehr schnell in ein Gedankenkreisen und in eine Sackgasse. Erst wenn wir durch den Schmerz hindurchgekommen und aus dem Labyrinth herausgekommen sind, können wir die Ursachen klarer erkennen – wenn es dann noch eine Bedeutung hat.

„Ein dunkler Raum wird nicht heller, indem man das Dunkel heraustreibt, sondern indem man das Licht hereinlässt.“

 

Die Feldenkrais Methode kann unterstützen

Um mit der Selbstregulation in Kontakt zu kommen, wird die Achtsamkeit auf das Körpergewahrsein gelenkt. Das geschieht über die spürende Körperwahrnehmung, die bewußte Belebung von Ressourcen und die Befreiung der nicht genutzten Energie im Körper.

In meiner Praxis wird hierbei behutsam in kleinen Schritten vorgegangen, um den Körper nicht erneut in Alarmbereitschaft zu versetzen. Dabei kann ohne Inhalt und Erinnerung gearbeitet werden, wenn das Ereignis als zu bedrohlich erlebt wird oder die bewusste Erinnerung daran fehlt.

In dieser Form der Traumaarbeit können alle Dimensionen menschlicher Erfahrung einbezogen werden, um den ursprünglichen – durch das Ereignis gestörten – pulsierenden und alles verbindenden Fluss der Lebensenergie wiederherzustellen. So hilft diese Lernmethode, in den natürlichen Rhythmus zurück zu finden und sich auf diese Weise im Hier und Jetzt zu verankern. Die Vergangenheit ist nicht länger ausschließlich bestimmend für den Alltag. Dadurch wird Energie frei, die Selbstregulierung des Körpers kehrt zurück und die Symptome können sich lösen.

Und damit ergibt sich die Antwort auf die Eingangs gestellte Frage. Ja, wir tragen zur Verbesserung bei. Die Veränderung im Verhalten von Klienten – Sicherheit in der Gegenwart zu entwickeln – ist aber dennoch kein Selbstläufer. Was alles zu einer gelungenen Zusammenarbeit gehört, die nicht linear erfolgt und als unabdingbare Voraussetzung das Fundament des Vertrauens braucht, bedarf noch der tieferen Erläuterung. 

In nächsten Blog Artikel werde ich daher beschreiben, wir wir im Institut den „sicheren Raum“ etablieren und die Gehirnströme von Probanden vor und nach der Feldenkrais Stunde messen und so aufzeigen können, welche Regionen sich durch die Feldenkrais Methode verändert haben.