Gehen ist für alle, die keine große Mühe damit haben, ein reiner Reflex. Wir bewegen uns mit der größten Selbstverständlichkeit von A nach B, ohne dass wir wissen, wie wir gehen. Wenn es funktioniert, warum sollten wir auch darüber nachdenken? Es dauert einige Jahre, bevor wir vielleicht spüren, dass etwas nicht mehr rund läuft in unserem Bewegungsapparat. Dann geben wir oft und gern dem Alter die Schuld.

Gelenksverschleiß und Schmerzen sind jedoch womöglich die Folge von jahrelangen schlechten Bewegungsgewohnheiten, entstanden durch unbewusstes Gehen. Daraus resultierende Fehlbelastungen erzeugen oft Schmerzen, Schmerzen führen wieder zu Schon- und Fehlhaltungen, und bevor wir es realisieren, sind wir in einem Teufelskreis gefangen. Probleme dieser Art sollten so rasch wie möglich gelöst werden. Es ist nie zu spät, und wir können nie früh genug damit anfangen, uns bewusster zu bewegen.

In meiner kleinen „Geh-Schule“ habe ich einige Übungen zusammengestellt, die deine Wahrnehmung für das Gehen erweitern. Du wirst deinen Körper spüren lernen und ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie all seine Bereiche aufeinander abgestimmt sind. Mit der neuen Wahrnehmung deines Körpers wirst du eine neue Dimension des Gehens entdecken.

 

Kleine Geh-Schule 1

Weil unsere Körperwahrnehmung sich leichter verbessern lässt, wenn möglichst viele Bereiche des Körpers Kontakt mit dem Untergrund haben, findet die jeweils erste Lektion der Übungspaare auf dem Boden statt. So kannst du die Beziehungen der verschiedenen Körperteile zueinander besser erspüren. Als Unterlage ist eine Decke geeignet oder eine große Matte.

Der Integrationsteil wird in aufrechter Position ausgeführt, im Stehen und Gehen, manchmal im Sitzen. Dabei geht es darum, die erlernten Bewegungsabläufe in der Körperhaltung und im Gehen umzusetzen.

 

Hier das erste Lektions-Paar

Schulter-Hüfte-Verbindung

die Hüften sind die Kraftquellen des gesamten Körpers. Viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst und stellen beim Gehen einfach einen Fuß vor den anderen, ohne dabei die Kraft der Hüften einzusetzen. Das bewirkt, dass der Körperschwerpunkt dazu tendiert, hinter dem auftretenden Fuß zu bleiben. In dieser Übung lernst du, wie sich beim Abstoßen des Fußes der Körperschwerpunkt nach vorne schiebt, was ein Bewegungsimpuls auslöst, der durch das Becken und die gesamte Länge der Wirbelsäule hinauf bis zum Kopf geleistet wird. Die Arme bewegen sich von alleine.

 

Arme entlasten

In dieser Übung wirst du ein Gefühl dafür bekommen, wie die Schulter Hüfte Verbindung im Gehen funktioniert. Die Armbewegung ist durch das Halten des Handtuchs eingeschränkt womit du deine Hüfte dazu zwingst, den Bewegungsimpuls weiterzuleiten. Du kannst dadurch genauer fühlen, wie von der Hüfte aus die Bewegung durch Becken, Rücken und Schulter fließt, ohne dass du zu viel Armarbeit leistest.

 

Wie waren die Lektionen für dich? Schreib mir die Erfahrungen, die du gemacht hast!